Anita ist gegangen. 

30.5.1975 Krippau - 30.10.2017 Wien

KAUST King Abdullah University of Science and Technology, Saudi Arabien 2014 

KAUST King Abdullah University of Science and Technology, Saudi Arabien 2014 

Mir kamen heute beim Malen die Gedanken her und hin und ich will sie aufschreiben für meine Lieben. Ich weiß, ich werde nicht sehr lange leben. Aber ist das traurig? Ist ein Fest schöner, weil es länger ist? Und mein Leben ist ein Fest, ein kurzes, intensives Fest. Meine Sinneswahrnehmungen werden feiner, als ob ich in den wenigen Jahren, die mir geboten sein werden, alles, alles noch aufnehmen sollte. Mein Geruchsinn ist augenblicklich erstaunlich fein. Fast jeder Atemzug bringt mir eine neue Wahrnehmung von Linden, von reifem Korn, von Heu und Reseden. Und ich sauge alles in mich ein und auf. Und wenn nun die Liebe mir noch blüht, vordem ich scheide, und wenn ich drei gute Bilder gemalt habe, dann will ich gern scheiden mit Blumen in den Händen und im Haar.
— Paula Moderson-Becker

Ich habe Anita 2006 bei ihrer Aufnahmeprüfung in der Klasse für Landschaftsdesign an der Angewandten kennengelernt. Ich habe die eigenartige Erinnerung an diesen Tag, dass es in dem Moment, als sie das Zimmer betreten hat, ein wenig heller geworden ist, die Farben ein wenig bunter wurden. Mit der Zeit wurde sie von der Studentin zur Künstlerin, zur Kollegin, zur Freundin und zur künstlerischen Partnerin. Nach ihrem Diplom 2012 bot sich die Gelegenheit zu zweit ein Projekt bei der Chelsea Fringe in London zu machen, und danach haben wir einfach nicht aufgehört. Nicht weil wir einen großen Plan gehabt hätten, sondern aus reiner Freude. Gemeinsam haben wir riesige Wandbilder gemalt, und so viele Arbeiten auf Papier, haben Staudenbeete geplant, und haben Workshops und Ausstellungen auf der halben Welt gemacht. Anita war eine leidenschaftliche und unkonventionelle Künstlerin, präzise und voller Energie. Jeder Bereich der mit Form, Materialästhetik, Raum und Atmosphäre, mit Schönheit zu tun hatte, hat ihr keine Ruhe gelassen. Sie liebte die praktische Seite der Kunst, die Arbeit mit Farben und Pflanzen. Sie wusste was sie wollte, und wenn nicht, hatte sie genug Neugierde und Freude am Risiko um es herauszufinden.

Eines ihrer schönsten Werke nannte sie "flirrend weiss". Ein gemaltes Bild diente als Grundlage für die Pflanzenauswahl eines weiß blühenden Staudenbeetes, das sie im Botanischen Garten pflanzen konnte. Über Jahre hinweg machte sie ein Mal wöchentlich von oben ein Foto dieses Beetes, ob Sommer oder Winter. Sie war eine genaue, ausdauernde Beobachterin, die Woche für Woche jede Veränderung registrierte. Im Hintereinander dieser Bilder sieht man das Wachsen, das Blühen und das Vergehen dieser Pflanzen. Man sieht die Erde und das Unkraut. Auf manchen Bildern sieht man nur ein paar trockene Blätter. "Da ist ja nichts" könnte man sagen, aber genau diese Bilder zeigen ihre feine künstlerische Wahrnehmung: Sie sah die Schönheit der Welt auch dort, wo eigentlich nichts, nur ein wenig feuchte Erde oder ein paar zufällige Farbtupfer waren. Sie sah die Blumen in der Malerei, und die Malerei in den Blumen. Unsere gemeinsame Arbeit ist eingebettet in diesen Kreislauf aus Pflanzen und Farben.

Mit Anita zu arbeiten war mühelos wie ein Tanz. Wir wussten, was die andere tut und waren gleichzeitig neugierig darauf. Wir machten gewagte Sprünge, und vielleicht sind wir manchmal ausgerutscht, aber wir wussten, dass wir einander auffangen und aus dem vermeintlichen Fehler eine neue, aufregende Choreographie entwickeln können. Ich bin Anita für jeden Schritt, für jede gemeinsame Minute, für jedes Lächeln dankbar. Und trotzdem, es war viel zu wenig, viel zu kurz. Sie fehlt mir.

(landscape) with flowers, IG Bildende Kunst, Wien 2013

(landscape) with flowers, IG Bildende Kunst, Wien 2013

Von Landschaften und Mustern, Pflanzen und Stoffen: VIENNA DESIGN WEEK 2017

Design ist mehr als das gestaltete Objekt und wird als elementarer Bestandteil der Kulturproduktion verstanden. Das Festival macht anschaulich, wie grundlegend Design unsere materielle Kultur, unseren Alltag und unsere Warenwelt prägt, ebenso wie Lebensstil und Mode, kurzum: unser gesamtes ästhetisches Empfinden und Urteilen.
— VIENNA DESIGN WEEK

Heuer machen wir zum ersten Mal bei der VIENNA DESIGN WEEK mit – Österreichs größtem Designfestival, das 2017 zum elften Mal stattfindet. Das von Lilli Hollein kuratierte Event hat es sich zur Aufgabe gemacht, designerische Entstehungs- und Produktionsprozesse offenzulegen und das experimentelle Arbeiten vor Ort anzuregen. Ganz Wien wird zum Schauraum für Design. 

Mit Kieran Fraser Landscape Design in der Reindorfgasse 31 haben wir den perfekten Partner und eine Location mitten im Fokusbezirk Rudolfsheim-Fünfhaus gefunden. Drei Designwelten treffen hier einander: Kieran Fraser entwickelt mit seinem Team Gestaltungskonzepte für atmosphärische und gleichzeitig funktionale Landschaften. Im Mittelpunkt unserer Arbeiten stehen Pflanzen und Muster – zu sehen in großformatigen (Wall)paintings und einer hortikulturellen Installationen sowie auf exklusiven Bio-Baumwollstoffen von Rita Garstenauer (Sheen Organic Textiles). Aus den unterschiedlichen Kompetenzen entstehen immer wieder gemeinsame Projekte. Das Streben nach ästhetischer Qualität und vielschichtiger Wahrnehmbarkeit ist dabei unsere verbindende Konstante.

Zu trinken gibt es Wein von Jutta Ambrositsch und noch einiges mehr... 

Wir freuen uns über jeden Besucher!

29. September - 8. Oktober 2017, täglich 18-21 Uhr

 

Kieran Fraser Landscape Design e.U.

15., Reindorfgasse 31

Fusion Malerei und hortikulturelle Installation für die Vienna Design Week 2017

Fusion

Malerei und hortikulturelle Installation für die Vienna Design Week 2017

painting an exotic landscape...

The imagined golden age and the lost Garden of Eden would merge in the exotic landscape, assembling the basic properties of both: innocence, health, communitas, beauty, abundance.
— Roger Célestin

Edward Steichen: Connecticut Yankees

After the Armistice back on my plant farm in Connecticut, I decided to work on my new types of Delphinium and growing the tall garden hybrids on a small scale purely for the fun of growing them and the joy of having them around.
In 1934 I made a few interesting inter-species crosses, first using carefully selected plants of belladonna/tatsuenense referred to previously in connection with the exhibition at the Museum of Modern Art. The Cashmerianum itself and Elatum plus Cashmerianum entered the project and low-growing unidentifiable Rocky Mountain species was added. More important, I had also after many, many attempts produced two seedlings from crosses between the garden hybrids and the belladonna tatsuense crosses. Theses two seedlings were intermediate between the belladonna/tatsuenense and the garden hybrids, taller and more lusty than the belladonna/tatsuenense. They both had double elatum-type flowers like the tall parent, but they were completely sterile. About that time scientists discovered that the drug, Colchicine, which, incidentally had for a number of years had been playing an important role in the treatment of several vicious attacks I had of gout, could double the chromosomes count in plants and turn diploids into tetraploids. Plants which were sterile because they had inherited only one set of chromosomes could be rendered fertile with this drug by doubling the chromosomes. After inquiry and study I tried this on the sterile elatum/belladonna/tatsuenense seedlings. With beginner’s luck, three nice fat seed pods produced viable seed. These seedlings represented the almost miraculous beginning of a new race of what might be called a ‚bush’ Delphinium, with florets from two to three and a half inches in diameter.
Among the several dozen seedlings resulting from the Colchine treatment there was one with large single flower. As I felt the single flowers were more suitable for this bush type than the double flower I discarded the doubles and concentrated on the inter-species crosses I have previously listed, also crossing in selected Cheilanthum seedlings. As this complexly evolved new race of Delphiniums oribinated and was developed here in Connecticut, I am consequently referring to them as Connecticut Yankees and the work is far enough along now insofar that they exist in the full range of Delphinium colors. They will be ready within the next year or so to be turned over to one of our large scale seed-producing firms and, like our Mark Twain’s Connecticut Yankees, they are sure to turn up sooner or later in the land of King Arthur’s Court.
— Edward Steichen
the flowerbeds_steichen5.jpg

Lost and found: In 2013 we did some research concerning the conceptual art of hybridizing for the exhibition "(Landscape) with Flowers". One of the most prominent artist-plantsmen we found was the world famous photographer Edward Steichen. From 1908 until his death in 1973 he bred delphiniums, and he drew clear parallels between his approach to photography and to plant breeding.

On June 24, 1936, the exhibition titled “Edward Steichen’s Delphiniums” was opened at the Museum of Modern Art in New York. Just how unusual the show was can be gathered from the museum’s press release:

They are original varieties, as creatively produced as his photographs. To avoid confusion, it should be noted that the actual delphiniums will be shown in the museum—not paintings or photographs of them. It will be a ‘personal appearance’ of the flowers themselves.

From this exhibition Steichen hoped to gain recognition for breeding plants as an art form—but was disappointed. Steichen’s demands of the art business remain without much consequence to this day. For him, flowers were central objects of aesthetic work, which involve questions of form every bit as much as their intensive preoccupation with light and color. He pursued plant breeding as an art form equal of photography, painting or literature, and he remains to be discovered as pioneer of BioArt.

 In 1965 Steichen presented an entirely new variety of smaller delphinium—“a bush covered by blue butterflies.” He called this delphinium 'Connecticut Yankee', after Mark Twain’s novel A Connecticut Yankee in King Arthur’s Court, and, released them with the wish "like our Mark Twain’s Connecticut Yankees, they are sure to turn up sooner or later in the land of King Arthur’s Court." Today, it is the only one of his breeds that is still available. While Steichen’s photographic works can be traded at high prices on the art market, today his 'Connecticut Yankee' variety can be had for around 2 dollars in a garden center—though without any mention of the artist. 

We managed to get some seeds and to grow some beautiful plants that were presented in the exhibition. The photo shows the varity of colors, coming out of one package of seeds. Unfortunately now they are all gone. 

das schwärzeste schwarz

...Natürlich, es gibt Künstler und sogar den einen oder anderen Philosophen, für die das alles ganz normal ist. Zum Beispiel Hokusai: „Es gibt ein Schwarz, das alt, und ein Schwarz, das frisch ist.“ Oder Ad Reinhardt: „Mattschwarz in der Kunst ist / nicht Mattschwarz / Glänzendschwarz in der Kunst ist Glänzendschwarz / Schwarz ist nicht absolut / Es gibt viele verschiedene Schwarz...“ Oder Wittgenstein: „Könnten nicht auch glänzendes Schwarz und mattes Schwarz verschiedene Farbnamen haben?“...
— David Batchelor, Chromophobie

Das schwärzeste Schwarz – es hat uns erst darauf aufmerksam gemacht, dass schwarz, wie wir es kennen, nicht eigentlich wirklich schwarz ist, sondern eben nur schwarz genug um in den sprachlichen Begriff zu fallen. Wird das schwärzeste schwarz nun die Sprache verändern?

arbeiten, mit blindem passagier

Ernst-Arnold-Park, Vienna 2015

Ernst-Arnold-Park, Vienna 2015

Die Geschichte der abstrakten Kunst ist im Grunde die Fortsetzung der Geschichte des Ornaments mit anderen Mitteln und in einem anderen Kontext. Vor der sogenannten modernen Kunst hat die Ornamentik in allen Kulturen und durch alle Zeiten hindurch das Reich des Ungegenständlichen beherbergt. Im Laufe des 19. Jahrhunderts wurde das Ornament aufgrund der Krise der Dekoration im Bereich der angewandten Kunst immer obsoleter und emigrierte sozusagen in die Hochkunst, in die gerade abstrakt werdende Kunst. Zunächst wirkte es dort wie ein blinder Passagier. Doch das ganze Wissen, das es über Jahrtausende über die Formmöglichkeiten des Ungegenständlichen, und die Fähigkeit, Sinn zu bergen, angesammelt hat wird für die Entfaltung der abstrakten Kunst immer wichtiger.
— Markus Brüderlin

In einem Interview definiert Markus Brüderlin das Ornament als "blinden Passagier" der abstrakten Kunst - dieser blinde Passagier, jene Kenntnisse und Praktiken, die durch Muster und Ornamente generiert und tradiert werden, steht im Zentrum unseres Interesses. Die Verflechtungen unterschiedlicher Kompetenzen, Kenntnisse, Traditionen und Orientierungen dienen als Inspiration unserer Malerei. Diese entsteht aus dem Dialog, der Überlagerung vieler Schichten, Farben, Muster, manchmal über Jahre hinweg. Das Bild ist nicht mehr Blick hinaus durch ein geöffnetes Fenster, sondern umgekehrt: ein verstellter, gehinderter Blick, ein Blick durch Gitter, Zäune, Schleier, in verborgene Räume, das Dickicht, Boudoir, im Zwielicht. Malerei, die ebenso den Strukturprinzipen des all over folgt wie denen des Ornaments und doch weder als das eine noch als das andere hinreichend verstanden ist. Dazu die entstandenen Bilder mit Geschichten anreichern, sie mit neuen, anderen Orten verbinden und so ein dichtes Netz an Verweisen weben. Das nicht Vorhersehbare macht den blinden Passagier sichtbar.